3.7.06

 

Frings spielt nicht: TV-Bilder als objektive Beweise

Die Fifa hat entschieden: Torsten Frings wird für das nächste WM-Spiel nachträglich gesperrt und für ein weiteres - das Endspiel? - auf "Bewährung" gesperrt.

Aus der Pressemitteilung der Fifa:

"Für eine Verurteilung Frings sprachen die eindeutigen TV-Bilder, die seine Tätlichkeit gegenüber Cruz dokumentierten. Diese objektiven Beweismittel konnten vom DFB und vom Spieler nicht entkräftet werden."

TV-Bilder sind bei der Fifa also objektive Beweismittel. Das ist nicht immer so:

Laut dem ZPO-Kommentar von Baumbach u.a. Übers § 371, Rn. 17, 62. Aufl.: seien beim geringsten Anzeichen einer möglichen elektronischen Bildbearbeitung wegen ihrer Manipulationsgefahren größte Zurückhaltung bei der Auswertbarkeitsfrage geboten. Der Ausgangspunkt im Beweisrecht: Fotos, Viedomaterial etc. können in einem Zivilprozess als Augenscheinsbeweis gelten.

Kennt die Fifa eine solche Zurückhaltung in ihrem eigenen Rechtszug?

Zudem gibt es schon seit ein paar Jahren eine gewichtige wissenschaftliche Auseinandersetzung zum Thema Konstruktivismus (http://de.wikipedia.org/wiki/Konstruktivismus_%28Philosophie%29), aus der man lernen kann, das nicht alles so sein muss, wie man es sieht. Zentrale Frage ist, ob eine "objektive Erkenntnis" überhaupt möglich ist. Zumal, wenn es um Ereignisse geht, wo schon durch das Medium selbst eine Konstruktion von Wirklichkeit erfolgen kann.

Die Konstruktivsmuskritiker können aufhorchen: Pressemitteilung der Fifa legt nahe, das es mit der objektiven Erkenntnis ziemlich einfach ist.

Was ich sagen will: TV-Bilder als "objektive Beweismittel" zu qualifizieren, dürfte jedenfalls nicht dem im ZPO-Kommentar dokumentierten Rechtsempfinden entsprechen. Und die geschilderte Beweislastverteilung ist auch problematisch: Entlastung nicht gelungen, also schuldig.

Einen Rechtszug gibt es übrigens nicht.

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